Angehende Landwirte werden in Korbußen auf Herz und Nieren geprüft
Porträt
Angehende Landwirte werden in Korbußen geprüft.
Auf dem Hof der Agrargenossenschaft "Drei Eichen" in Korbußen im Landkreis Greiz werden vier angehende Landwirte geprüft. Insgesamt 26 junge Landwirte haben sich in diesem Sommer den praktischen Abschlussprüfungen in den Landkreisen Greiz und Saale-Orla gestellt.
Korbußen. "Überlegen Sie mal, Wolken: Was sagt Ihnen das?" Andreas Schmidt sieht Michael Franke ernst an. Dessen Blick richtet sich nicht zum Himmel, sondern zu dem Traktor, der an diesem Vormittag auf einem abgeernteten Getreidefeld der Agrargenossenschaft Korbußen steht. Wolken das ist nicht das Stichwort für das Wetter, sondern eine Abkürzung, eine Lernhilfe, was der angehende Landwirt Michael Franke am Trecker kontrollieren muss, bevor er losfährt und das Feld umarbeitet. "Wolken", wiederholt Franke und zählt dann Wasser, Öl, Licht, Kraftstoff, elektrische Leitungen und Notfallset auf. Richtig. Ein bestätigendes Nicken von Andreas Schmidt und Christine Gehrt. Die beiden gestandenen Landwirte haben gestern den ganzen Tag lang vier Auszubildende auf dem Feld geprüft. Bodenproben nehmen und die Getreidestoppeln mit dem Traktor bearbeiten das waren etwa Prüfungsaufgaben. Auf dem Hof der Agrar eG "Drei Eichen" Korbußen sahen sich die Prüfer Lothar Scheffler und Wolfgang Schumann die angehenden Landwirte genau an, ließen sie Saatgut bestimmen oder eine Laborprobe aus der Silage ziehen. Neben Michael Franke stellten sich auch Steve Riemenschneider, Micha Engelhardt und Kevin Binder der praktischen Abschlussprüfung. In den Landkreisen Greiz und Saale-Orla sind in diesem Sommer 26 junge Männer angetreten, um ihre Lehre zum Landwirt zu beenden. Weitere Prüfungen wurden von angehenden Tierwirten entweder in Rinder- oder in Schweinehaltung abgenommen.
Zufrieden mit den Leistungen der Lehrlinge zeigte sich Prüferin und Korbußens Betriebsleiterin Christine Gehrt. "Sie stellen sich gut an", so ihr Urteil. Vor wenigen Jahren noch habe sie sich über einige Prüflinge ganz schön geärgert. Mittlerweile aber sei das Ausbildungsniveau in den Betrieben gestiegen. Bei dem ohnehin knappen Angebot an Interessenten machen sich die Landwirte die Wahl schwer. Das bestätigt auch Heike Grau, die beim Landwirtschaftsamt in Zeulenroda seit 1997 die Betriebe in Fragen rund um die Ausbildung berät. "Manch einer nimmt dann lieber keinen Lehrling als einen, mit dem man sich drei Jahre herum ärgert", sagt sie deutlich. Ein Typ, der Ärger macht, der ist Kevin Binder nun wahrlich nicht. Heike Grau lobt die Leistungen des 20-Jährigen, der wie Michael Franke in der Agrargenossenschaft Kauern ausgebildet worden ist. "Landwirt ist mein Traumberuf. Das war es schon, als ich ein kleiner Junge war", erinnert sich Kevin in einer Prüfungspause. Der Vater habe in der Werkstatt der damaligen LPG gearbeitet, und so lernte der Junge früh Mähdrescher und Co. kennen. Und selbst nach der Ausbildung hat Kevin vom Lernen noch nicht genug. Er will sich an der Fachschule Stadtroda bewerben und sich dort zum Techniker im Landbau qualifizieren. Noch mal vier Semester Unterricht. "Landwirt zu sein, das hat eben nichts mit dem sprichwörtlich dummen Bauern zu tun", sagt Heike Grau vom Landwirtschaftsamt. Wetterbeobachtung, Pflanzenschutz, Futtermischungen, Düngung und Kalkung, der effiziente Einsatz von Mensch und Maschine all das gehört heute zum Beruf dazu.