Ronneburger Tobias Hemmann geht ins Ausland

  • Tobias Hemmann (16) fährt als erster Schüler der Ronneburger Regelschule zum Austauschjahr in die USA.
Von Aufregung noch keine Spur. Tobias sitzt lässig in dem weißen Ledersessel im Wohnzimmer seiner Eltern. Die Beine ausgestreckt, die Hände locker.
Ronneburg. "Nö, nervös bin ich noch nicht", sagt Tobias ruhig. Dabei ist der 16-Jährige ein Weitreisender in spe. In knapp drei Wochen geht es für den Ronneburger nach Amerika. Keine Urlaubsreise, sondern ein Austauschjahr wartet auf ihn. Ein Schuljahr, also rund zehn Monate, wird Tobias Hemmann in den USA verbringen, dort leben, die Highschool besuchen.

Obwohl Austauschprogramme weit verbreitet sind, ist Tobias der erste Schüler der Ronneburger Regelschule, den es für ein Jahr in die USA zieht. "Die meisten Programme richten sich an Gymnasiasten", hat Tobias Mutter Regine Hemmann bemerkt. Bei der täglichen Zeitungslektüre hat die Familie vom Parlamentarischen Patenschafts-Programm erfahren und sich beworben. Tobias hat es bis in die Endrunde geschafft. Geklappt hat es nicht, aber davon ließ sich der Schüler nicht entmutigen.

Tobias und seine Mutter recherchierten weiter und stießen schließlich auf die Kreuzberger Kinderstiftung. Die vergab im vergangenen Jahr just als Tobias sich bewarb zum ersten Mal Stipendien für Regelschüler und zwar nicht nur für jene aus Berlin, sondern auch für Schüler aus Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und eben Thüringen.

Tobias ergatterte ein Teilstipendium und reist nun mit der Organisation Youth For Understanding (YFU). 80 Prozent der Kosten, etwa für Reise und Versicherungen, übernimmt die Kreuzberger Kinderstiftung.

Den Rest und ein monatliches Taschengeld bezahlen Tobias Eltern. "Für uns war klar: die Pläne des Jungen unterstützen wir", erzählt Volker Hemmann, dass Tobias schon von klein auf von den USA träumt. Dafür nimmt der 16-Jährige gern in Kauf, noch mal die Schulbank zu drücken. Denn eigentlich hat er es ja gerade hinter sich: In diesem Sommer hat Tobias seinen Realschulabschluss gemacht. Warum also noch mal Schule? "Amerika fasziniert mich", so die Antwort. Die Autos, die Route 66, New York...

In den Big Apple wird es Tobias voraussichtlich nicht verschlagen. Ihm soll eine Gastfamilie im Süden oder Westen zugeteilt werden. "Wo es genau hingeht, weiß ich noch nicht", sagt Tobias immer noch entspannt. Eine gute Vorbereitung ist eben alles: einen Englischtest hat er bestanden, viele Filme mit englischem Originaltitel gesehen, ein Treffen in Mühlhausen besucht, wo ehemalige Austauschschüler berichteten. Bloß nicht zu freizügig kleiden das hat Tobias als praktischen Tipp mit auf den Weg bekommen.

Er wird seinen Weg gehen. Er weiß sogar, wohin ihn die Reise führt. Nach Bewerbungsgespräch und Praktikum ist der Ausbildungsvertrag ab Herbst 2011 unter Dach und Fach. Doch nun wartet das Abenteuer Amerika.


Katja Schmidtke / 30.07.10 / OTZ
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