Rico Kirsche aus Waltersdorf im Landkreis Greiz will kleine Kängurus züchten.
Rico Kirsche aus Waltersdorf im Landkreis Greiz will kleine Kängurus züchten. Erst kürzlich verstärkte ein junges Weibchen die drei Böcke. Vor fünf Jahren begann er das Kanguru-Projekt und hat damit für viel Aufsehen im Dorf gesorgt.
Waltersdorf. Nachbars Schafe standen zwei Stunden lang still, rührten sich nicht vom Fleck, gaben keinen Ton von sich, schauten und schauten. Auch die Postfrau wunderte sich. Solch große Hasen hatte sie noch nie gesehen. Rico Kirsche schmunzelt, wenn er diese Geschichten erzählt. Denn die vermeintlichen Langohren, die Schafe in Schockstarre und Postfrauen ins Grübeln versetzen, entpuppen sich als Wallabys, kleine Kängurus. Rico Kirsche hält sie seit knapp fünf Jahren. Aber seit er das Känguru-Gehege kürzlich von einem nicht einsehbaren Teil seines Grundstücks auf ein Areal unmittelbar an der Straße zwischen Waltersdorf und Lindenkreuz verlegte, ist sein Hobby weitaus mehr als Dorfgespräch. Autofahrer halten an, sogar Schulklassen besuchen die Tiere. Die Rotnacken-Wallabys das Fell an den Schultern hat eine rot-orangene Färbung sind Rico Kirsches Verbindung zu Australien. Zwei lange Reisen hat er auf den fünften Kontinent unternommen. "Wir haben mit dem Gedanken gespielt, auszuwandern", erzählt er. Den Neuanfang auf der anderen Seite der Erde hat das Ehepaar Kirsche verworfen, geblieben ist die Liebe zu Australien. "Die Weite, die Leere, die Landschaft", gerät Rico Kirsche ins Schwärmen. Ein Stückchen davon hat er sich nun mit den Kängurus nach Ostthüringen geholt. Die Tiere stammen aber nicht aus dem Outback, sondern von einem Züchter aus Bayreuth. Um Kängurus zu halten, ist die Genehmigung des Veterinäramtes notwendig. Auch den Schwiegervater begeistern die Tiere. Manfred Kaufmann muss das 1200 Quadratmeter-Grundstück, auf dem die vier Kängurus jetzt leben, nicht mehr mit Rasenmäher oder Sense bearbeiten. Für die Kängurus hat er sogar seine Schafe abgegeben. Kein großer Verlust. "Die Kängurus sind toll. Sie sind viel pflegeleichter, man muss sie nicht scheren wie Schafe und sie sind nicht so wählerisch. Sie fressen alles weg", freut sich der Senior über die Arbeitserleichterung.
Kleine Leckermäuler sind die Kängurus dennoch. Besonders freuen sich die drei Böcke und das Weibchen über Möhren und eine Mais-Hafer-Körner-Mischung von Rico Kirsche. Dann fressen sie ihrem "Herrchen" sogar aus der Hand. "Die Rangfolge halten sie dabei strikt ein", erzählt Rico Kirsche, während Känguru-Chef Barcoo sein Mahl genießt. Erst nach ihm sind der Gruppenälteste Bangeroo und der Jüngste Bibbil an der Reihe. Das noch namenlose Weibchen sonnt sich derweil. Das einjährige Tier deutlich kleiner als die Böcke ist erst vor knapp einer Woche nach Waltersdorf gekommen. Rico Kirsche will die Gruppe weiter vergrößern und in die Känguru-Zucht einsteigen. Vertragen die australischen Tiere überhaupt unser Klima? "Ja", weiß Rico Kirsche. Die Rotnacken-Wallabys stammen von der Insel Tasmanien, wo das Wetter unbeständig ist. Die Tiere halten Temperaturen von bis zu 20 Grad unter Null aus. Im zurückliegenden Winter hatte Rico Kirsche seine eigenen Tiere übrigens bald selbst nicht erkannt: Da lagen sie seelenruhig im Gehege und ließen sich vom Schnee bedecken.